Günter Unterstab

Johannes-Kepler-Schule Neuhof

Von Schule, Herz und Organisation

Die Welt eines stellvertretenden Schulleiters stellt sich zuerst und vor allem als eine Welt voller Zahlen dar: Schüler- und LehrerInnenzahlen, Klassenstärken, Pausen- und Stundentakte, Buszeiten und Raumnummern. Ein stellvertretender Schulleiter ist also der Mann (oder: die Frau), der (oder: die) das System „hinter den Kulissen“, dem sichtbaren Schulalltag von SchülerInnen und LehrerInnen, organisiert. Das klingt nach trockener Materie, nach Rationalität und Rechenschieber, aber wenig nach pädagogischem Gestaltungsraum und menschlichem Miteinander an einem Ort, der Lern- und Lebensraum zugleich ist: der Schule.

Und doch liegt gerade in diesem Arbeitsbereich eine riesige Chance! Viel Herz, denn nur mit dem sieht man gut, lehrt uns der kleine Prinz, ist erforderlich, um die Bedürfnisse aller an Schule Beteiligten sinnvoll und menschlich zu organisieren.

Je enger allerdings die Grenzen gesetzt sind - und sie haben sich in den letzten Jahren durch politische Vorgaben massiv verändert - umso mehr sind die Belange der SchülerInnen und LehrerInnen nicht einfach „abzuhaken“ und in eine Stundenplanform zu gießen.

So ist es in den letzten Jahren nicht leichter geworden ist, Schule zur Zufriedenheit aller zu organisieren und die notwendige Verlässlichkeit im Alltag zu gewährleisten. Es erscheint eher schwieriger und komplexer, die unterschiedlichen Interessen im Auge zu behalten und sich zudem den Blick für das Ganze zu bewahren.

Deshalb ist es unumgänglich, neue pädagogische Herausforderungen nicht mit organisatorischen „Schnellschüssen“ zu beantworten. Vielmehr müssen die für die Schulorganisation Verantwortlichen nach ausführlicher und umfangreicher Betrachtung der Auswirkungen auf das Ganze sich den Blick des Fuchses aus dem „Kleinen Prinzen“ bewahren, den „Blick mit dem Herzen“. Nur so können wir für die uns anvertrauten Kinder und damit für die Träger unserer Zukunft „gut sehen“, damit unsere Schule tatsächlich ein lebenswerter Raum ist und bleiben kann; ein Ort, der erfüllt ist von Heiterkeit und Ernst, von Leben und Lernen.

Günter Unterstab

 

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